Klettern

Ein Griff – ein Zug – ein Griff, ein Zug – der Blick ist nach oben gerichtet, der Atem kontrolliert, die Muskeln angespannt. Jetzt nur noch die Schlüsselstelle überwinden – der Pulsschlag steigt, ein leichtes Zittern verselbständigt sich in den Beinen. „Ich schaffe das!“, sage ich mir. Alle belastenden Gedanken des Alltags sind längst aus dem Kopf gewichen – für den Moment gibt es nur mich und die Wand. Mein Arm streckt sich zum nächsten Griff, während ich mich mit der anderen Hand nach oben ziehe. Die Finger tasten und finden endlich Halt. Ein Zug – ein Griff. Geschafft! Ich bin oben und erst jetzt blicke ich in die Tiefe. Schon irgendwie Schwindel erregend. Die Spannung lockert sich und ein unbeschreibliches Hochgefühl macht sich stattdessen in jeder Faser meines Körpers breit. Mein Blick trifft ein Augenpaar, das mir bestätigend zu verstehen gibt: „Es ist OK, ich bin bereit.“ Ich lehne mich zurück und lasse mich fallen…

Fest sitze ich im Gurt, als mein Sicherungspartner mich langsam und kontrolliert am Seil wieder auf den Boden der Kletterhalle bringt. Meine Unterarme entspannen sich und das Adrenalin weicht langsam wieder aus meinem Körper. Eins aber bleibt: Das gute Gefühl, mich überwunden und auch diese Route geschafft zu haben.

Die Höhenangst hat mich lange begleitet und nachdem ich einfach keinen Zaubertrank dagegen fand, habe ich mich zu einem Indoor-Kletterkurs angemeldet. Ich, die bereits auf der zweiten Sprosse der Leiter zu zittern begann.

Ich bin süchtig nach dieser Mischung aus Anspannung und Entspannung, dem Überwinden eigener Grenzen mit dem Vertrauen in mich und meinen Seilpartner, dem absoluten Abschalten von allen belastenden Gedanken und nicht zuletzt der körperlichen Stärkung – warum habe ich nicht schon viel früher zu Klettern begonnen? Besser kann man es nicht erklären, vielen Dank an Edith Danzer